Moderne Trenntechnik
Warum spielt Trenntechnik heute eine so große Rolle in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie?
Daniel Obrist: Hersteller stehen vor der Aufgabe, natürliche Produkte in konstanter Qualität herzustellen, kurze Prozesswege einzuhalten und gleichzeitig strenge regulatorische Vorgaben zu erfüllen. Parallel steigt der wirtschaftliche Druck: Rohstoffe müssen optimal genutzt, Verluste reduziert und Energie effizient eingesetzt werden. Trenntechnik trägt wesentlich dazu bei, diese Anforderungen zu erfüllen. Sie stabilisiert Prozesse, verbessert die Produktqualität und hilft, den Ressourceneinsatz besser zu kontrollieren. Ohne geeignete Separation lassen sich viele Produktionsschritte nicht zuverlässig durchführen – etwa die Klärung von Säften, die Abtrennung von Trubstoffen beim Bier oder die Aufarbeitung pflanzlicher Rohstoffe für moderne Proteinprodukte. Für diese unterschiedlichen Aufgaben stehen drei grundlegende Verfahren zur Verfügung: Dekanter, Separatoren und Bandpressen.
Wie unterscheiden sich Dekanter, Separatoren und Bandpressen – und welche Aufgaben erfüllen sie jeweils?
Daniel Obrist: Die Verfahren basieren auf unterschiedlichen mechanischen Prinzipien und erfüllen je nach Prozess sehr spezifische Aufgaben.
- Dekanter: Sie arbeiten mit einer horizontalen Trommel und einer Schnecke, die die Feststoffe kontinuierlich austrägt. Diese Technologie eignet sich besonders für Medien mit hohem Feststoffgehalt und für große Durchsätze. Typische Beispiele finden sich in der Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe, wo die Feststoffanteile im Prozess oft stark schwanken und gleichzeitig große Mengen verarbeitet werden müssen.
- Separatoren: Separatoren besitzen ein Tellerpaket in einer vertikalen Trommel. Sie ermöglichen eine Klärung von sehr feinen Feststoffen und insbesondere auch für Flüssig-Flüssig Trennungen. In der Getränkeproduktion übernehmen sie zentrale Aufgaben, etwa die Bierklärung, bei der schon kleinste Trubpartikel zuverlässig entfernt werden müssen, ohne das Produkt zu verändern.
- Bandpressen: Sie entwässern mechanisch zwischen zwei Bändern und sind besonders energieeffizient. Diese Technologie ist ideal für faserige Materialien wie Obsttrester oder für große Volumina, bei denen eine robuste, kontinuierliche Entwässerung gefragt ist.
Kurzgefasst: Dekanter für robuste und feststoffreiche Aufgaben, Separatoren für besonders feine Trennschritte, Bandpressen für einfache und wirtschaftliche Entwässerung größerer Volumenströme.
In welchen Anwendungen sehen Sie aktuell besonderes Potenzial? Gibt es ein Beispiel aus der Praxis?
Daniel Obrist: Ein großes Thema ist die effizientere Nutzung vorhandener Rohstoffe. Bei klassischen Verfahren wie der Klärung werden durch die Abtrennung von Trubstoffen nachfolgende Prozessschritte entlastet, was wiederum Hilfsmittel und Energie spart. Besonders dynamisch entwickelt sich derzeit der Bereich der pflanzlichen Rohstoffe. Hier geht es oft darum, Nebenströme aufzuwerten und zusätzliche Wertschöpfung zu generieren. Ein konkretes Beispiel ist die Extraktion von Pflanzenproteinen. Dabei fallen komplexe Suspensionen an, die präzise getrennt werden müssen. Moderne Trenntechnik sorgt dafür, dass Proteine effizient gewonnen und störende Bestandteile entfernt werden. Solche Prozesse zeigen sehr deutlich, dass Separation nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern ein entscheidender Faktor moderner Produktentwicklung ist.
Daniel Obrist, Global Sales and Application Engineer Beverage & Dairy bei Flottweg Copyright: ©Flottweg SE
Wie trägt die Trenntechnik von Flottweg zu Automatisierung, Integration und stabilen Produktionsprozessen bei?
Daniel Obrist: Trenntechnik ist heute weit mehr als die reine mechanische Abtrennung von Feststoffen oder Flüssigkeiten. Sie ist eingebettet in vernetzte Systeme, die automatisiert und reproduzierbar arbeiten.
- 1. Integration: Unsere Maschinen lassen sich nahtlos in bestehende Produktionslinien integrieren. Über gängige Schnittstellen – etwa zu PLC (Programmable Logic Controller) oder SCADA-Systemen (Supervisory Control and Data Acquisition) – können alle relevanten Prozessparameter zentral überwacht und gesteuert werden. Das erleichtert sowohl die Dokumentation als auch die Einbindung in Linienkonzepte.
- 2. Automatische Anpassung: Rohstoffe unterliegen häufig natürlichen Schwankungen. Moderne Systeme passen Parameter wie Pressdruck, Trommeldrehzahl oder Zu- und Abflussregelungen automatisch an. Dadurch bleibt die Produktqualität stabil, und die Abhängigkeit von manuellen Eingriffen sinkt deutlich.
- 3. Prozesssicherheit: Sensoren erfassen kontinuierlich Daten wie Feststoffgehalt, Temperatur oder Vibrationen. Frühzeitige Abweichungen können erkannt werden, bevor ein Anlagenstillstand entsteht. Systeme zur Zustandsüberwachung erhöhen zusätzlich die Betriebssicherheit und verlängern Wartungsintervalle.
- 4. Datenanalyse: Echtzeitdaten werden für Qualitätsnachweise, Audits oder die Optimierung des Energie- und Wasserverbrauchs genutzt. Auch Reinigungsprozesse wie CIP können präziser dokumentiert und dadurch besser kontrolliert werden.
Wie unterstützt moderne Separation eine energie- und ressourcenschonende Produktion?
Daniel Obrist: Effiziente Trennprozesse reduzieren Verluste und senken den Bedarf an Hilfsmitteln wie zum Beispiel Filtermaterialien. Gleichzeitig wird der Energie- und Wasserverbrauch optimiert. Prozesse laufen stabiler und erfordern weniger Nachjustierungen. Separation trägt damit direkt zu einer nachhaltigeren Produktion bei, sowohl ökologisch als auch ökonomisch.
Die Flottweg Bandpresse bei der Fruchtsaftgewinnung: hohe Saftausbeute und ein trockener Trester Copyright: ©Flottweg SE
Welche Erfahrungen prägen Ihren Blick auf moderne Trenntechnik, und welche Entwicklungen halten Sie für besonders relevant?
Daniel Obrist:
- 1. Kleine Prozessanpassungen wirken oft stark. Ein Aha-Moment für mich war die Erkenntnis, dass bereits geringe Änderungen an Parametern wie Pressdruck oder Trommeldrehzahl die Ausbeute und die Produktqualität deutlich verbessern können.
- 2. Rohstoffschwankungen nehmen zu. Klimaeinflüsse und Lieferkettenprobleme führen zu variierenden Rohstoffqualitäten. Eine präzise ausgelegte, automatisierte Prozessführung hilft, diese Schwankungen auszugleichen und konstante Produktqualitäten zu sichern.
- 3. Digitalisierung wird zum Wettbewerbsfaktor. Mechanische Leistungsfähigkeit allein reicht nicht mehr aus. Entscheidend sind heute automatische Prozessteuerung, digitales Rezeptmanagement, CIP-Dokumentation und kontinuierliche Parameterüberwachung. Viele Unternehmen sehen darin einen wesentlichen Hebel für Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit.
Fazit: Moderne Trenntechnik ist weit mehr als ein Hilfsmittel – sie ist ein zentraler Hebel für eine effiziente, ressourcenschonende und stabile Produktion. Ob in der Getränkeindustrie, bei pflanzlichen Rohstoffen oder in der Aufarbeitung von Nebenströmen: Ohne präzise Separation lassen sich viele moderne Produktionsprozesse nicht realisieren.
Über Flottweg
Flottweg SE ist ein deutscher Hersteller mechanischer Trenntechnik mit Sitz in Vilsbiburg. Das Unternehmen zählt zu den führenden Anbietern von Dekanterzentrifugen, Separatoren und Bandpressen und beschäftigt über 1.200 Mitarbeitende weltweit.
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Global Sales & Application Engineer
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