Köln: 23.–26.02.2027 #AnugaFoodTec2027

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Barrierepapiere

Was bei der Verarbeitung zählt

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Barrierepapiere gelten als wichtiger Baustein für nachhaltige Lebensmittelverpackungen. Ihr Einsatz erfordert jedoch ein genaues Verständnis der Materialeigenschaften und der prozesstechnischen Anforderungen. Im Interview erläutert Markus Rothböck, Geschäftsbereichsleiter Packaging bei delfort, welche funktionalen Eigenschaften Barrierepapiere erfüllen müssen, und welche Faktoren die Verarbeitung auf bestehenden Verpackungslinien beeinflussen.

Der Umstieg auf faserbasierte Verpackungen verändert Abläufe in der Produktion und stellt Maschinen wie Materialien vor neue Anforderungen. Im folgenden Gespräch werden zentrale technische Aspekte von Barrierepapieren und deren Verarbeitung eingeordnet.

Markus Rothböck, Geschäftsbereichsleiter Packaging bei delfort

Markus Rothböck, Geschäftsbereichsleiter Packaging bei delfort ©delfort

Welche Entwicklungen prägen derzeit die Nachfrage nach Barrierepapieren – und wie begegnen Sie diesen Anforderungen?

Markus Rothböck: Wir kombinieren leichte und ressourcenschonende Basispapiere mit Barrieren, die hohen Anforderungen an Wasser¬dampf-, Fett- und Sauerstoffschutz entsprechen. Die Verbindung aus Basispapier und Beschichtung ermöglicht eine zuverlässige Schutzwirkung bei geringem Materialeinsatz. Unsere Barrierepapiere bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und sind recyclingfähig, wodurch sie sich für nachhaltige Verpackungslösungen eignen, ohne Kompromisse bei Schutz oder Verarbeitung zu verlangen.

Welche funktionalen Eigenschaften müssen Barrierepapiere für Lebensmittelverpackungen mitbringen?

Markus Rothböck: Grundlegend sind ein verlässlicher Schutz vor Fett, Feuchtigkeit und Sauerstoff sowie ausreichende mechanische Stabilität. Diese Eigenschaften müssen unabhängig vom Temperaturbereich erhalten bleiben.

Barrierepapiere übernehmen in der Praxis vielfältige Aufgaben: Sie dienen als Fettbarriere für Produkte wie Schokolade, Butter oder Snacks. Sie verhindern das Austrocknen bei Kühlwaren wie Käse und schützen pulverförmige Produkte vor Feuchtigkeitsaufnahme und Verklumpung. Ebenso entscheidend ist die Sauerstoffbarriere, um Aromaverlust (Oxidationsprozess) zu vermeiden.

Hinzu kommt die Belastbarkeit während Transport und Handling. Die Materialien müssen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen stabil bleiben. Unser Barrierepapier thinbarrier 303 erfüllt diese Anforderungen über einen Temperaturbereich von –18 bis +38 °C durch eine kombinierte Sauerstoff-, Wasserdampf- und Fettbarriere. Wesentlich ist die Abstimmung von Basispapier und Barriere, um das jeweils benötigte Eigenschaftsprofil zu erreichen.

Welche Herausforderungen treten bei der Verarbeitung von Barrierepapieren auf – etwa bei Siegelung, Bedruckung oder Maschinengängigkeit?

Markus Rothböck: In der Regel lassen sich unsere Papiere auf bestehenden Maschinen einsetzen, oft ohne größere Anpassungen. Eine geeignete Heiß- und Kaltsiegelbarkeit ist wichtig, um dichte und robuste Siegelnähte zu erzeugen. Die Materialien eignen sich für unterschiedliche Verpackungsformen wie Schlauch- und Standbodenbeutel oder Einschlaganwendungen.

Für die Bedruckung spielt die Oberflächenstruktur eine wesentliche Rolle. Gleichmäßige und glatte Oberflächen ermöglichen gute Ergebnisse im Flexo-, Tief-, Digital- und Offsetdruck, etwa in Form scharfer Details oder hoher Farbstabilität.

Wie gelingt die Integration von Barrierepapieren in bestehende Verpackungslinien – und was ist bei der Umstellung von Folie auf Papier zu beachten?

Markus Rothböck: Faserbasierte Materialien müssen so zug- und reißfest sein, dass sie auf Anlagen verarbeitet werden können, die ursprünglich für Folien ausgelegt waren. Für eine verlässliche Umstellung prüfen wir jedes Papier zunächst auf unseren eigenen Maschinen hinsichtlich Zugfestigkeit, Siegelparametern und Geschwindigkeit.

Im nächsten Schritt folgt ein Verarbeitungstest beim Kunden, bei dem Feinabstimmungen vorgenommen werden. Entscheidend für eine erfolgreiche Umstellung sind die Festigkeit des Papieres und die korrekten Einstellungen der Siegelprozesse. Unsere Papiere sind darauf ausgelegt, Folienmaterial in bestehenden Linien ersetzen zu können.

Verpackungslösungen aus Barrierepapieren der delfort – geeignet für Süßwaren, Schokolade, Riegel, Backpulver, Backmischungen und Eis am Stiel.

© delfort

Wie läuft bei delfort die Entwicklung neuer Barrierepapiere ab – und welche Bedeutung haben kundenspezifische Anforderungen?

Markus Rothböck: Die Entwicklung basiert auf einem strukturierten Prozess, der bei den Anforderungsprofilen des Kunden beginnt. Dazu zählen gewünschte Barriereeigenschaften, Produktschutz, Designvorgaben und Nachhaltigkeitsziele.

In unserem Rapid-Prototyping-Center werden erste Muster erstellt, die gemeinsam mit dem Kunden getestet werden. Kriterien wie Maschinengängigkeit, Bedruckbarkeit und Recyclingfähigkeit fließen direkt in die Weiterentwicklung ein. Wir verfügen über Testmethoden zur Vorevaluierung, darunter Shelf-Life Tests (Lagertest). In Kooperation mit Forschungseinrichtungen werden weitere Prüfergebnisse wissenschaftlich ausgewertet – etwa zum Austrocknungsverhalten, zur mechanischen Belastbarkeit oder zur Frage, ob unebene Lebensmitteloberflächen, etwa Krokant- oder Mandelsplitter, das Papier beschädigen könnten.

Ein weiterer relevanter Punkt ist die Migration: Es muss gewährleistet sein, dass keine Stoffe in die Verpackung übergehen.

Welche zentralen Erkenntnisse ziehen Sie aus der Erfahrung mit Barrierepapieren – und welche Trends beeinflussen die Entwicklung?

Markus Rothböck:

  • Produktschutz bleibt zentral. Die Herausforderung besteht darin, Barriereleistung, Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit zu verbinden. Wir arbeiten an Barrierepapieren mit verbesserter Wasserdampfbarriere, Fettbeständigkeit und Heißsiegelfähigkeit bei hoher Recyclingfähigkeit.
  • Regulatorik gewinnt an Bedeutung. Ab 2026 gelten strengere Vorgaben der PPWR zu Recyclingfähigkeit und Materialreduktion. Unser Papier ist gemäß CEPI-Verfahren sehr gut recycelbar. Alle unsere Papiere sind PFAS-frei, und wir verwenden ausschließlich FSC®- und/oder PEFC-zertifizierten Zellstoff.
  • Zusammenarbeit entlang der Lieferkette ist entscheidend. Austausch mit Maschinenherstellern, Convertern, Druckern und Beschichtungsanbietern ermöglicht eine sichere Umsetzung in der Praxis. Materialeffizienz, zuverlässige Verarbeitung und regulatorische Konformität bestimmen die Entwicklung marktfähiger Barrierepapiere.

Info über die Firma:

delfort ist ein internationaler Hersteller von Spezial- und Funktionspapieren mit Sitz in Traun/Österreich. Das Unternehmen entwickelt und produziert sehr dünne, funktionale Papiere für Anwendungen in Tabak, Pharma, Lebensmittel, Etiketten sowie Print & Publishing. delfort beschäftigt über 3.200 Mitarbeitende und betreibt weltweit mehrere Produktions- und Converting-Standorte.

Für weitere Informationen:

Markus Rothböck

Geschäftsbereichsleiter Packaging
delfortgroup AG
Fabrikstraße 3
4050 Traun Austria
food@delfortgroup.com
https://delfortgroup.com