Technologien für die Smart Meat Factory
Partner für die Digitalisierung
Fleischverarbeiter stehen bei der Nutzung moderner Technologien in ihren Verarbeitungs- und Verpackungsprozessen einer potenziell immensen Menge an Daten gegenüber. Doch wie lassen sich diese extrahieren und so Produktion und betriebswirtschaftliche Steuerung im Sinne einer Smart Meat Factory zusammenführen? Geht es nach den IT-Spezialisten von SLA und Modus Consult braucht es dafür eine standardisierte Verbindung von Echtzeitprozessen am Shopfloor und Cloud-ERP, um einen durchgängigen Material- und Wertefluss vom Rohstoffeingang über die Fertigung bis zum Reporting zu gewährleisten. Und genau hier setzt die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen an. Durch die enge Verzahnung ihrer Lösungen wollen SLA und Modus Consult eine gemeinsame Plattform schaffen, die Abläufe entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichtbar, steuerbar und effizienter macht. Unternehmen aus der Fleischbranche sollen von aktuellen Daten, schnelleren Entscheidungen und stabileren Prozessen profitieren.
Das bedeutet: Für Produzenten entsteht ein durchgängiger digitaler Fluss entlang aller relevanten Abläufe – vom Rohstoffeingang über die Verarbeitung und Logistik bis hin zur wirtschaftlichen Steuerung. Die enge Verbindung von Produktions- und ERP-Daten sorgt für mehr Prozessstabilität, weniger manuelle Erfassung und verlässliche Auswertungen, die ein transparentes Bild der Wertschöpfung liefern. „Der gemeinsame Fokus liegt darauf, Komplexität zu reduzieren, Daten nutzbar zu machen und so die täglichen Prozesse zu vereinfachen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen“, sagt Hermann Grevemeyer, Geschäftsführer SLA Software Logistik Artland.
Verbindung von Produktion und Cloud-ERP
SLA bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Fleisch- und Lebensmittelproduktion ein. Das Unternehmen bietet Maschinen- und Linienanbindung über Waagenintegration und Echtzeitdatenerfassung bis hin zu praxisnahen Apps und Dashboards für Qualität, Rückverfolgbarkeit und Leistungskennzahlen. Die Lösungen sind darauf ausgelegt, robuste und ausfallsichere Produktionsprozesse zu unterstützen: Daten werden direkt an der Linie erfasst, validiert und für nachgelagerte Schritte zur Verfügung gestellt – vom Buchen einzelner Arbeitsschritte bis zur Darstellung von Durchsätzen und Prozessstatus in Echtzeit.
Modus Consult ergänzt diese Shopfloor-Kompetenz durch umfassende Expertise in ERP, Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, Kalkulation, Reporting, Einkauf, Verkauf und EDI-Anbindung bis in den Lebensmitteleinzelhandel. Die in der Produktion erfassten Informationen fließen in Microsoft Dynamics 365 Business Central und werden dort zu Auswertungen, Planungsdaten und Steuerungsimpulsen verarbeitet. So entsteht eine integrierte Lösung, die Produktions- und betriebswirtschaftliche Sicht in einem durchgängigen System verbindet.
Exemplarisch für die Zusammenarbeit steht das gemeinsame Projekt bei H. Klümper im niedersächsischen Schüttorf. Bei dem Fleischwarenhersteller sorgt die Verbindung von moderner Produktionserfassung und Cloud-ERP dafür, dass alle relevanten Daten aus der Fertigung vollständig digital erfasst und im ERP weiterverarbeitet werden. „Diese Kombination schafft Durchgängigkeit, die man im Alltag sofort spürt“, erklärt Geschäftsführerin Sinah Klümper.
Maschinenleistung in Echtzeit
Abläufe vereinfachen und datenbasierte Entscheidungen treffen: Nicht nur die Software-Spezialisten, auch die Anlagenbauer arbeiten an Lösungen für die Smart Meat Factory. Die Maschinenfabrik Seydelmann setzt bei ihren Produktionslinien für die Fertigung von Fleisch- und Fleischalternativen beispielsweise auf moderne Overall Equipment Effectiveness (OEE)-Anzeigen. Sie gewährleisten die transparente Überwachung der Maschinenleistung in Echtzeit, und damit die Optimierung der gesamten Fertigungslinie. Sie liefern Daten zu Verfügbarkeit, Leistung und Qualität der Maschinen. Produktionsleiter können mit dieser Echtzeitinformationen auf Störungen oder Abweichungen reagieren, ungeplante Stillstände minimieren und die Auslastung erhöhen. Schwachstellen werden schnell identifiziert, was vorbeugende Maßnahmen und Schnittstellenoptimierungen erleichtert. Nicht nur die Maschinen selbst, sondern auch vor- und nachgelagerte Prozessschritte können mit einbezogen werden, um die gesamte Fertigungskette zu steuern.
Digital optimierte Prozesse
Die kontinuierliche Datenerfassung verbessert die Abstimmung von Kapazitäten, verkürzt Durchlaufzeiten und sichert eine höhere Produktqualität durch frühzeitige Erkennung von Qualitätsabweichungen. Gleichzeitig fördert die Transparenz den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen: Rohstoffe, Arbeitszeit und Energie können effizienter eingesetzt und Kosten nachhaltig gesenkt werden. Eine Strategie, die auch der Anuga FoodTec-Aussteller Multivac verfolgt. Zu den jüngsten Innovationen des Maschinenbauers zählen hochautomatisierte, softwaregestützte Produktionslinien. Darunter eine Hochleistungs-Slicing-Linie für Rohschinkenprodukte sowie eine Fleischportionierlinie für Trays, bei welcher sich durch digitale Vernetzung alle Komponenten über Multivac Linie Control (MLC) nahtlos steuern und auswerten lassen. „Ein zentraler Bestandteil dieser Optimierung ist die Live-Datenauswertung der einzelnen Liniensegmente, die volle Transparenz über den gesamten Portionier- und Verpackungsprozess schafft“, wie CSO Dr. Tobias Richter erklärt.
MLC ermöglicht zudem eine zentrale Bedienung der gesamten Linie und eine einfache Anbindung an ERP-, MES-, MRP- oder PPS-Systeme für nahtlose Produktionsprozesse. Eine neue Funktion ist der kontinuierliche Artikelwechsel. Er erlaubt es Anwendern, während des laufenden Betriebs zwischen verschiedenen Artikeln zu wechseln, ohne die Produktion zu unterbrechen oder die Linie leerfahren zu müssen. Dadurch lassen sich Stillstandszeiten um bis zu 95 Prozent verringern. Gleichzeitig werden Ressourcen effizienter genutzt, indem Produktverluste sowie der Verbrauch von Folie, Etiketten und Energie minimiert wird.
Tobias Richter resümiert: „Steigende Kosten, Arbeitskräftemangel und strenge Nachhaltigkeitsauflagen erfordern Lösungen, die alle Aspekte der Wertschöpfungskette im Blick haben – von der Rohstoffverarbeitung bis hin zur Verpackung. Smarte Verarbeitungs- und Verpackungstechnologien sind dabei echte Wettbewerbsfaktoren: Sie helfen nicht nur, den Betrieb der Maschine nachhaltig zu optimieren, sie ermöglichen auch eine agile Produktion, die an die wachsenden Anforderungen eines sich verändernden Marktes angepasst werden kann.“